Selen

Wirkungsweise
Selen ist ein essentielles Spurenelement. Es ist in Form von Selenmethionin ein integraler Bestandteil des Enzyms Glutathionperoxidase. Dieses Enzym verhindert die Bildung freier Sauerstoffradikale, welche die Zerstörung mehrfach ungesättigter Fettsäuren in Zellmembranen bewirken. Darüber hinaus wirkt Selen auf das Immunsystem und im Sinne der Krebsprophylaxe.

Selenmangel – Epidemiologische Studien
Selenmangel ist mit Muskelschmerzen und Druckempfindlichkeit in Zusammenhang gebracht worden. Bei Patienten, welche vollständig parenteral mit niedrigem Selengehalt ernährt wurden, sind einige Fälle von Herzmuskelerkrankungen aufgetreten. Das hauptsächlich in China auftretende Keshan-Syndrom geht mit Herzmuskelerkrankungen einher und kann durch selenhältige Nahrungsergänzungen erfolgreich behandelt werden. Geringer Selengehalt in der Nahrung scheint Immunschwäche89 sowie zunehmende Virulenz und Fortschreiten einiger viraler Infektionen zu begünstigen.

Als weitere negative Folgen des Selenmangels wurden Fehlgeburten, Infertilität des Mannes, Depression, Senilität, Alzheimer-Demenz und Beeinträchtigung der Schilddrüsenfunktion berichtet. Selenmangel ist auch für das Auftreten von Herz-Kreislauferkrankungen verantwortlich gemacht worden, wiewohl die diesbezüglichen epidemiologischen Studien zu unterschiedlichen Ergebnissen geführt haben. So ist eine zwei- bis dreifache Steigerung der Mortalitätsrate an Herz-Kreislauferkrankungen bei Personen mit Serumselenspiegeln von unter mg pro Liter berichtet worden im Vergleich mit Personen mit höheren Serumspiegeln. In einer Studie aus Dänemark wurde gezeigt, dass Männer mittleren Alters und ältere Männer mit Serumselenspiegeln unterhalb mg pro Liter ein signifikant erhöhtes Risiko für koronare Verschlusskrankheiten hatten. Die über 10 Zentren organisierte EURAMIC-Studie fand ein inverses Verhältnis zwischen dem Selengehalt in Zehennägeln und dem Herzinfarktrisiko, allerdings nur in einem Zentrum (Deutschland) bei welchem der Selengehalt der Nahrung am niedrigsten war. In anderen Studien wurden jedoch keine derartigen Zusammenhänge gefunden.

Niedrige Aufnahme von Selen in der Nahrung ist auch mit erhöhtem Krebsrisiko in Zusammenhang gebracht worden. In einer Studie wurde festgestellt, dass die Aufnahme von Selen in der Nahrung umgekehrt proportional zur gesamten, alterskorrigierten Krebssterblichkeit ist; ebenso stehen niedrige Selenspiegel im Zusammenhang mit erhöhtem Krebsrisiko und erhöhter Krebssterblichkeit. Im Rahmen einer Studie betreffend den Zusammenhang zwischen Selen in der Nahrung und Prostatakarzinom mit 34.000 Männern wurde festgestellt, dass das Fünftel mit den niedrigsten Selenspiegeln ein dreifach höheres Risiko für einen fortgeschrittenes Prostatakarzinom hatte als das Fünftel mit den höchsten Selenspiegeln.

Klinische Studien

Krebsprophylaxe
Selenhältige Nahrungsergänzungsmittel können das Risiko für bestimmte Krebserkrankungen senken (z. B. Dickdarm-, Magen-, Lungen- und Prostatakarzinom), aber nicht für andere (Mamma-, Ösophagus- und Basalzellkarzinom). Die Studie des US National Prevention of Cancer (NPC) war die erste doppelblinde, placebokontrollierte Studie in den Industrieländern, in welcher die Hypothese geprüft wurde, dass selenhältige Nahrungsergänzungsmittel das Krebsrisiko erniedrigen können. Insgesamt wurden 1312 Probanden, die zuvor an einem Basalzellkarzinom erkrankt waren (keine Melanome) über einen Zeitraum von 4.5 Jahren aufgeteilt auf Placebo oder 200 ?g pro Tag Selen (als Selenhefe) und nachher 6.4 Jahre lang nachuntersucht. Es gab keine statistisch signifikanten Unterschiede hinsichtlich des Auftretens von Basalzellkarzinom oder Plattenepithelkarzinom. Die Gesamthäufigkeit von Krebs war jedoch 37% niedriger in der Selengruppe, davon 63% weniger Prostatakarzinome, 58% weniger Dickdarmkarzinome, und 46% weniger Lungenkarzinome. In der Selengruppe fanden sich etwas mehr Mammakarzinome und Leukämien/Lymphome, doch waren diese Unterschiede nicht statistisch signifikant. Nahrungsergänzungen mit Antioxidantien (inklusive Selen) verringerten die Fallzahlen von Ösophaguskarzinom, Magenkarzinom und Krebs insgesamt in einer Studie mit 30000 Erwachsenen in Linxian in China, wo die Häufigkeit von Ösophaguskarzinom und Magenkarzinom hoch ist und bestimmte Nährstoffe in unzureichender Menge aufgenommen werden.

Herz-Kreislauferkrankungen
Selen könnte bei der Prophylaxe gegen Herz-Kreislauferkrankungen eine Rolle spielen, doch ist die Beweislage für den Nutzen von selenhältigen Nahrungsergänzungen bescheiden. Im Rahmen einer doppelblinden, placebokontrollierten Studie erhielten 81 Probanden entweder Selenhefe (100 ?g Selen pro Tag) oder Placebo über einen Zeitraum von 6 Monaten. Während in der Placebogruppe vier Probanden an Herzerkrankungen starben, starb keiner in der Selengruppe. In der Placebogruppe traten zwei neue Infarkte auf, in der Selengruppe nur einer.

Sterilität beim Mann
Im Rahmen einer Studie mit 64 Männern mit eingeschränkter Fertilität konnte durch 100 mg Selenmethionin pro Tag die Spermienmotilität verbessert werden. Die Zahl der Spermien war nach dreimonatiger Gabe von selenhältigen Nahrungsergänzungen unverändert, jedoch die Beweglichkeit der Spermien verbesserte sich in 56% der Fälle. Schliesslich kam es bei 11% der mit selenhältigen Nahrungsergänzungen behandelten Männer zur Vaterschaft, jedoch bei keinem aus der Placebogruppe.

Rheumatoide Arthritis
Selen kann zur adjuvanten Therapie von frischer rheumatoider Arthritis nützlich sein. In einer Studie erhielten 15 Frauen mit rheumatoider Arthritis (seit weniger als fünf Jahren), welche vorher mit nichtsteroidalen Entzündungshemmern (NSAIDs) und/oder mit anderen Antirheumatika behandelt worden waren, über drei Monate eine selenhältige Nahrungsergänzung (200ug pro Tag aus Selenhefe).106 Bei sechs von acht der behandelten Patientinnen eine Verbesserung der subjektiven Schmerzwahrnehmung sowie der klinischen Beurteilung der Gelenksbeteiligung, jedoch bei keiner der Kontrollen. Drei Monate nach Absetzen der Therapie waren die Verbesserungen wieder verschwunden, obwohl die Parameter für den Selenstatus erhöht blieben. Demgegenüber war Selen (256 g pro Tag in Form von Selenhefe) unwirksam in einer Studie mit 40 Männern und Frauen mit Arthritis seit durchschnittlich 13,5 Jahren.