Magnesium

Wirkungsweise
Magnesium ist ein essentieller Mineralstoff. Nach Kalium ist es das zweitwichtigste intrazelluläre Kation im menschlichen Körper. Magnesium ist ein essentieller Kofaktor für diejenigen Enzyme, welche Umsetzungen mit ATP (Adenosintriphosphat) katalysieren, dem wichtigsten biochemischen Energieträger des Organismus. Wichtige Beispiele finden sich im Bereich der Glykolyse, der Fettsäureoxidation und des Aminosäurenstoffwechsels. Magnesium ist gleichfalls wichtig bei der Synthese von RNS (Ribonukleinsäure), bei der Replikation von DNS (Desoxyribonukleinsäure), bei der Nervenreizleitung und im Calziumstoffwechsel.

Empfohlene Tagesdosis = RDA(Required Daily Amount) 300 mg

Magnesiummangel
Zu den Zeichen und Symptomen von Magnesiummangel gehören: Hypocalcämie und Hypokalämie (Erniedrigung der Blutspiegel von Calzium und Kalium), Muskelkrämpfe, Tremor und Lähmungserscheinungen; Persönlichkeitsstörungen, Lethargie und Apathie; Krämpfe, Delirium und Koma; Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen und Darmlähmung; Arrhythmien, Tachykardien und plötzlicher Herztod.

Klinische Studien mit Magnesium
Die Rolle des Magnesiums wurde klinisch untersucht im Zusammenhang mit kardiovaskulären Erkrankungen (inklusive Bluthochdruck), Diabetes mellitus, Migräne, Osteoporose und prämenstruellem Syndrom (PMS).

Kardiovaskuläre Erkrankungen
Magnesiummangel ist mit kardiovaskulären Erkrankungen in Zusammenhang gebracht worden. Eine grosse Studie36 mit 2512 älteren Männern, welche über einen Zeitraum von zehn Jahren beobachtet wurden, erbrachte jedoch keine Anhaltspunkte für eine Schutzwirkung von Magnesium gegen koronare Herzerkrankungen (CHD). Dagegen zeigte eine doppelblinde, placebokontrollierte Studie in Patienten mit akutem Myokardinfarkt verminderte Serumtriglyzeride und einen Trend zu erhöhten HDL-Konzentrationen nach Nahrungsergänzung mit Magnesium.37 Einige kontrollierte Studien erbrachten Hinweise darauf, dass intravenöse Infusion von Magnesium kurze Zeit nach einem vermuteten Koronarinfarkt das Auftreten schwerer Arrhythmien verringern und die Mortalität senken könnte. In diesen Fällen ist jedoch Magnesium als verschreibungspflichtiges Medikament und nicht als Nahrungsergänzung verabreicht worden.

Bluthochdruck
Es gibt Hinweise auf einen blutdrucksenkenden Effekt von Magnesium.38 Eine Steigerung von 20 mMol in der täglichen Magnesiumaufnahme bewirkte eine Senkung des diastolischen Blutdrucks um 3.4 mmHg in einer Studie mit weiblichen Probanden in Holland.39 Ebenso wurde eine Blutdrucksenkung beobachtet mit einer natriumarmen, kalium- und magnesiumreichen Diät in älteren Probanden mit geringgradigem bis mässigem Bluthochdruck; dabei wurde vermutet, dass der erhöhte Magnesiumanteil zur Blutdrucksenkung beigetragen haben könnte.40 In einer anderen Studie41 wurde jedoch gezeigt, dass magnesiumhältige Nahrungsergänzungen bei Patienten mit geringgradigem Bluthochdruck zusätzlich zu einer natriumarmen Diät keine weitere Blutdrucksenkung bewirkten. Eine weitere Gruppe42 konnte in einer doppelblinden, randomisierten Cross-over-Studie nach magnesiumhältiger Nahrungsergänzung keine Blutdrucksenkung beobachten, obwohl die Magnesiumkonzentration im Blutplasma signifikant erhöht war. Neuere doppelblinde, placebokontrollierte Studien43,44 zeigten bei gesunden Probanden und bei solchen mit leicht bis mässig erhöhtem Blutdruck nach Gabe von magnesiumhältigen Nahrungsergänzungen (300-360 mg pro Tag) keine blutdrucksenkende Wirkung.45

Diabetes mellitus
Magnesium spielt eine Rolle beim Transport von Glukose in Zellen, und fungiert als Kofaktor in Stoffwechselwegen, welche enzymkatalysierte Oxidationen beinhalten. Diabetiker, besonder solche mit Harnzucker und Ketoazidose, scheiden möglicherweise zu viel Magnesium mit dem Harn aus. In diesen Patienten findet sich allgemein ein zu niedriger Magnesium-Blutspiegel, welcher auch mit Insulinresistenz im Zusammenhang stehen könnte. In einer Studie wurde gezeigt, dass die Insulinsekretion durch magnesiumhältige Nahrungsergänzungen über vier Wochen verbessert wird.49 Die Auswirkungen von Diabetes auf die Magnesium-Gewebespiegel sind unterschiedlich und können nicht immer auf Grund der Serum-Magnesiumspiegel vorhergesagt werden. Epidemiologisch wurde Magnesiummangel mit diabetischer Neuropathie in Zusammenhang gebracht. Wiewohl es keine Beweise gibt, dass diese Komplikation durch magnesiumhältige Nahrungsergänzungen günstig beeinflusst werden kann, sollten doch Patienten, bei denen ein Risiko für Magnesiummangel besteht (z. B. solche die mit Thiaziden behandelt werden) entsprechend kontrolliert werden. Solche Kontrolluntersuchungen sind allerdings schwierig, und geeignete Dosen zur Nahrungsergänzung sind nicht festgelegt worden. In einer offenen Studie wurden an 11 Patienten mit Typ1-Diabetes und chronisch niedrigen Erythrozyten-Magnesiumspiegeln 450 mg Magnesium täglich nach einer intravenösen Anfangsdosis verabreicht. Unter der intravenösen Infusion fiel der Plasma-Magnesiumspiegel während der Erythrozyten-Magnesiumspiegel anstieg. Durch die Nahrungsergänzung konnte der Magnesium-Status nicht normalisiert werden, und es kam auch zu keinen signifikanten Verbesserungen des glykosylierten Hämoglobins oder der Serumlipide. Die Autoren kamen zu dem Schluss, dass es bei Typ1-Diabetes zu einem chronischen Magnesiummangel kommen kann, dass es aber schwierig ist, die entsprechenden Speicher aufzufüllen und zu erhalten.51 In einer doppelblinden, placebokontrollierten Studie wurden 128 Patienten mit Typ2-Diabetes in drei Gruppen randomisiert, welche 497 mg Magnesium, 994 mg Magnesium oder Placebo erhielten. Zu Beginn der Studie hatten 47.7% der Patienten niedrige Plasma-Magnesiumspiegel, und 31.1% hatten niedrige Magnesiumspiegel in den Monozyten. Die intrazellulären Magnesiumspiegel waren signifikant niedriger als in der normalen Population, und waren niedriger in Patienten mit peripherer Neuropathie als in solchen ohne periphere Neuropathie. Es gab jedoch keine Korrelation zwischen den Plasma- und intrazellulären Magnesiumspiegeln einerseits und Blutzuckerregulation andrerseits In der Placebogruppe und der Gruppe mit der niedrigeren Magnesiumgabe änderte sich weder der Plasma- noch der intrazelluläre Magnesiumspiegel, noch verbesserte sich die Blutzuckerregulation. In Verbindung mit der höheren Magnesiumkonzentration fand sich eine Erhöhung der Plasma- und intrazellulären Magnesiumspiegel und ein signifikanter Rückgang der Plasmaspiegel von Fruktosamin.52 In einer placebokontrollierten Studie an 50 Patienten mit Typ 2 Diabetes konnten durch Gabe von 360 mg Magnesium täglich über 3 Monate die Magnesium-Plasmaspiegel und die Ausscheidung von Magnesium im Harn erhöht werden; Auswirkungen auf die Blutzuckerregulierung oder Blutlipide wurden jedoch nicht gefunden.

Prämenstruelles Syndrom
In Frauen, die unter dem prämenstruellen Syndrom leiden, wurden verringerte Magnesiumspiegel gefunden. Eine doppelblinde, randomisierte Studie an 32 Frauen ergab mit 360 mg Magnesium pro Tag eine Verbesserung der prämenstruellen Symptome hinsichtlich psychischer Unausgeglichenheit und Reizbarkeit. Eine neuere, randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Studie an 38 Frauen zeigte im ersten Monat keine Wirkung einer magnesiumhältigen Nahrungsergänzung (200 mg pro Tag), erbrachte jedoch im zweiten Monat eine Verbesserung hinsichtlich der Symptome Gewichtszunahme, Schwellungen an den Gliedmassen, Empfindlichkeit der Brust und Völlegefühl. Eine weitere Studie56 von einmonatiger Dauer an 44 Frauen zeigte, dass magnesiumhältige Nahrungsergänzungen (200 mg pro Tag plus 50 mg Vitamin B6) eine geringgradige Verbesserung der angstbezogenen prämenstruellen Symptomatik bewirken.

Migräne
Einige Daten belegen eine Wirksamkeit magnesiumhältiger Nahrungsergänzungen bei Migräne, doch sind die Ergebnisse der Studien widersprüchlich. Orale Gabe von Magnesium verringerte die Anzahl der Migräneanfälle über 12 Wochen im Rahmen einer placebokontrollierten Doppelblindstudie. Ebenso war die durchschnittliche Schmerzdauer und die Notwendigkeit zum Gebrauch akuter Schmerzmittel verringert, doch war diese Verringerung nicht signifikant. In einer anderen, ähnlichen Studie zeigte Magnesium jedoch keine Wirkung.

Osteoporose
Magnesium ist ein Bestandteil des Knochens, und es konnte gezeigt werden, dass magnesiumhältige Nahrungsergänzungen die Knochendichte in Osteoporosepatienten erhöhen. Erhöhte Magnesiumaufnahme nach dem Klimakterium geht einher mit einem langsameren Abfall der Knochendichte. Magnesiumhältige Nahrungsergänzungen erniedrigen Marker für Knochenabbau in jungen Männern, aber nicht in jungen Frauen. Ein Anstieg der Knochendichte konnte bewirkt werden bei Sprue und der damit im Zusammenhang stehenden Osteoporose, und auch bei Frauen im Klimakterium durch orale Magnesiumgabe.

Leistungssteigerung bei Sportlern
Magnesiumhältigen Nahrungsergänzungen wurde die Fähigkeit zur Steigerung der Leistungsfähigkeit von Sportlern zugeschrieben. In einer doppelblinden, placebokontrollierten Studie wurde durch magnesiumhältige Nahrungsergänzungen (507 mg bezw. 246 mg pro Tag) die Muskelkraft verbessert. Im Rahmen einer weiteren, ähnlichen Studie zeigte sich eine Leistungssteigerung beim Schwimmen, Laufen und Radfahren. Demgegenüber zeigten Sportler im Rahmen einer zweiwöchigen Studie mit 500 mg Magnesium pro Tag weder verbesserte Leistungsfähigkeit noch eine Verringerung von Ermüdungserscheinungen.