Calzium

Wirkungsweise
Calzium ist ein essentieller Mineralstoff und ist praktisch an allen Lebensvorgängen der Zellen beteiligt. Calcium spielt eine wichtige Rolle beim Aufbau der Knochen und Zähne. 90% des im Körper enthaltenen Calziums findet sich im Skelett. Während der ersten drei Lebensjahrzehnte steigt die Knochendichte und erreicht im Alter von etwa 30 Jahren das Maximum. Später fällt die Knochendichte wieder ab, wobei der Abfall bei Frauen nach dem Klimakterium stärker ausgeprägt ist. Die Knochendichte verringert sich auch bei älteren Männern. Calzium ist essentiell auch für die Zellstruktur, die Blutgerinnung, die Muskelkontraktion, die Nervenreizleitung, die Enzymaktivierung, und die Hormonfunktion.Empfohlene Tagesdosis = RDA (Required Daily Amount) 800 mg.

Calziummangel
Calziummangel ist kein klinisches Krankheitsbild. Wird jedoch zu wenig Calzium im jungendlichen Alter mit der Nahrung aufgenommen, so kann die maximale Knochendichte verringert und das Risiko für Osteoporose im späteren Leben erhöht sein. Insbesondere kann der Bedarf an Calzium erhöht sein bei Kindern und Jugendlichen, sowie bei Frauen unmittelbar vor oder nach dem Klimakterium, bei Schwangeren und stillenden Müttern, bei vegan lebenden Menschen und bei solchen, welche Milch und Milchprodukte meiden, und im Fall von Laktose-Intoleranz (weil dabei Milch und Milchprodukte gemieden werden).

Klinische Studien mit Calzium
Die Rolle von Calzium wurde untersucht im Zusammenhang mit Osteoporose, Bluthochdruck, Dickdarmkrebs, Menstruationsbeschwerden und Präeklampsie (idiopathische oder genuine Gestose; schwangerschaftsbedingte Hypertonie mit Proteinurie und Ödemen; Auftreten meist nach der 20. Schwangerschaftswoche, selten unmittelbar nach der Geburt).

Osteoporose
Calziumhältige Nahrungsergänzungen können bei der Osteoporoseprophylaxe eine Rolle spielen. Das dafür zur Verfügung stehende Beweismaterial wurde im Rahmen von Studien mit drei verschiedenen Populationen erarbeitet: Kinder und Jugendliche, Frauen vor dem Klimakterium, und Frauen nach dem Klimakterium.

Kinder und Jugendliche
Ausreichende Calziumzufuhr ist während des gesamten Lebens wichtig, besonders jedoch während des Skelettwachstums zur Erreichung der maximalen Knochenmasse. Untersuchungen haben gezeigt, dass das Knochenwachstum und die Knochenmineralisation im jugendlichen Alter durch überdurchschnittlich hohen Verzehr von Milch und Milchprodukten gesteigert wird. Diese Effekte müssen nicht ausschliesslich auf das in Milch und Milchprodukten enthaltene Calzium zurückgehen. Zusätzlich zu anderen Mineralstoffen wie Magnesium, Phosphor und Zink (welche gleichfalls für gesunde Knochen wichtig sind), liefert Milch auch Energie und Eiweissstoffe, welche das Knochenwachstum über ihre Wirkung auf Insulin growth factor 1 (IGF-1) stimulieren können. Eine Reihe von kontrollierten Studien mit calziumhältigen Nahrungsergänzungen bei Kindern und Jugendlichen haben gezeigt, dass der Verzehr von Calzium über 550 mg pro Tag die Knochenmineralisation erhöht, besonders bei jenen Jugendlichen, welche gewohnheitsmässig nur wenig Calzium zu sich nehmen. Erweiterte Studien sind jedoch notwendig, um zu zeigen, dass diese Wirkungen tatsächlich im späteren Leben ein verringertes Osteoporoserisiko zur Folge haben.

Frauen vor dem Klimakterium
Bei Frauen vor dem Klimakterium findet man widersprüchliche Ergebnisse hinsichtlich der Beziehung zwischen Aufnahme von Calzium und Knochendichte. Einige zeigen positive Effekte, andere nicht.

Frauen nach dem Klimakterium
Nach dem Klimakterium kommt es zu einem rascheren Verlust von Knochenmasse. Während Calzium dazu beitragen kann, diesen Verlust zu verringern, kann es ihn doch nicht verhindern. Darüber hinaus scheint der Einfluss von Calzium in diesem Lebensabschnitt verschieden zu sein je nachdem, wielange das Klimakterium zurückliegt. In den meisten Studien konnte eine Beziehung zwischen der Calziumaufnahme (aus der Nahrung oder aus Nahrungsergänzungen) und dem Verlust von Knochenmasse in den fünf Jahren unmittelbar nach dem Klimakterium nicht gezeigt werden. In einer Studie12 erlitten Frauen, welche sich bis zu fünf Jahre nach Eintritt des Klimakteriums befanden, einen rapiden Knochenverlust welcher auch durch 500 mg Calzium pro Tag nicht beeinflusst werden konnte. Andrerseits bewirkte die gleiche Nahrungsergänzung bei Frauen, welche sich mehr als sechs Jahre nach Eintritt des Klimakteriums befanden (und einen Verzehr an Calzium von weniger als 400 mg pro Tag hatten) eine signifikante Verringerung des Knochenverlustes. Eine weitere Studie mit Frauen 10 Jahre nach dem Klimakterium13 zeigte dass eine calziumhältige Nahrungsergänzung von 1000 mg pro Tag die Knochendichte sowohl insgesamt wie auch an spezifischen Lokalisationen positiv beeinflusste, obwohl die gewohnheitsmässige Calziumaufnahme der Probandinnen zufriedenstellend war. Die Wirkung dieser Nahrungsergänzung hielt vier Jahre an und hatte auch weniger Knochenbrüche zur Folge. Studien, welche Knochenbrüche an Stelle von Verlust an Knochenmasse als Endpunkt heranzogen, zeigten bei älteren Menschen einen günstigen Einfluss von Calzium zusammen mit Vitamin D. Eine französische Studie zeigt eine beträchtliche Verringerung der Zahl der Knochenbrüche in einer grossen Gruppe von älteren Menschen (Durchschnittsalter 84,6 Jahre) welche in einem Pflegeheim lebten und täglich 1200 mg Calzium mit 800 internationalen Einheiten Vitamin D erhielten. Die Schutzwirkung zeigte sich nach 6-12 Monaten. Nach drei Jahren war die Wahrscheinlichkeit von Hüftfrakturen um 29% gesunken. In einer neueren Studie,16 gleichfalls mit älteren Menschen, wurden ähnliche Ergebnisse mit einer calziumhältigen Nahrungsergänzung allein erhalten, wobei allerdings die Probanden vollständig mit Vitamin D versorgt waren. Forscher in den Vereinigten Staaten17 untersuchten die Wirkung von 500 mg Calzium und 700 Einheiten Vitamin D über drei Jahre in 176 Männern und 213 Frauen im Alter über 65 Jahre, wobei die Probanden zu Hause lebten. Die Gruppe mit Nahrungsergänzung zeigte eine verminderte Inzidenz von Knochenbrüchen ausserhalb des Wirbelbereichs sowie verminderten Knochenschwund im Schenkelhals und im gesamten Körper im Vergleich zur Gruppe ohne Nahrungsergänzung.

Bluthochdruck
Aus epidemiologischen Studien geht hervor, dass die Calziummenge in der Nahrung und der Blutdruck einander umgekehrt proportional sind. Die tatsächliche Wirkung des Calziums in dieser Indikation ist jedoch gering. Einige Studien berichten über eine Senkung des Blutdrucks in normotonen und hypertonen Probanden eine findet keine Wirkung. Eine Meta-Analyse von 33 randomisierten Doppelblindstudien kam zu dem Schluss, dass Calzium (500-2000 mg pro Tag) eine geringgradige Senkung des systolischen Blutdrucks bewirkt.24 Eine weitere Meta-Analyse von 22 randomisierten klinischen Studien zeigte, dass calziumhältige Nahrungsergänzungen (500-1000 mg pro Tag) eine signifikante Senkung des systolischen, aber nicht des diastolischen Blutdrucks bewirken. Die Autoren kamen jedoch zu dem Schluss, dass die Wirkung zu gering war um eine Empfehlung für die Verwendung von calziumhältigen Nahrungsergänzungen gegen Bluhochdruck zu rechtfertigen.

Krebs
Calziumhältige Nahrungsergänzungen können möglicherweise die Zahl der Erkrankungen an Colon-Karzinom verringern, doch sind die Ergebnisse uneinheitlich. Die Aufnahme grosser Mengen Calzium (1200-1400 mg pro Tag) wurde in epidemiologischen Studien mit einem verminderten Risiko für Colon-Karzinom in Verbindung gebracht, während grosse Mengen Calzium in der Nahrung und in Nahrungsergänzungen einem verminderten Wiederauftreten von adenomatösen Darmpolypen entsprachen. Dagegen zeigten andere Studien keine signifikanten Effekte calziumhältiger Nahrungsergänzungen auf die Proliferation von kolorektalen Zellen in Probanden mit erhöhtem Risiko für kolorektale Krebserkrankungen.

Menstruationsbeschwerden
Im Rahmen einer prospektiven, randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten Studie wirkten calziumhältige Nahrungsergänzungen (1200 mg täglich durch drei Menstruationszyklen hindurch) schmerzlindernd im Hinblick auf prämenstruelle Schmerzen, aber nicht Schmerzen während der Menstruation. In einer weiteren Studie linderte Calzium (1336 mg, verabreicht zusammen mit Mangan) Menstruationsschmerzen, psychische Unausgeglichenheit und Reizbarkeit. Schliesslich wurde in einer Studie gezeigt, dass Calzium (1000 mg täglich) sowohl prämenstruelle wie auch Menstruationssymptome verbesserte, und dass auch Menstruationsschmerzen signifikant verbessert waren.

Präeklampsie
Das Risiko des Auftretens von Präeklampsie während der Schwangerschaft kann durch calziumhältige Nahrungsergänzungen signifikant verringert werden. Eine Analyse von klinischen Studien im Hinblick auf den Einfluss der Calzium-Aufnahme auf Präeklampsie und Schwangerschaft bei 2500 Frauen fand dass diejenigen, welche 1500-2000 mg Calzium täglich zu sich nahmen ein um 70% vermindertes Risiko von Bluthochdruck in der Schwangerschaft hatten. Demgegenüber ergab eine grosse Studie mit 4589 gesunden Erstgebärenden, dass calziumhältige Nahrungsergänzungen (2000 mg pro Tag) keinen Einfluss auf das Auftreten von Bluthochdruck, Proteinausscheidung oder Komplikationen bei der Geburt hatten.